Hölloch Muotathal/SZ, 1999

Foto: Alain Stouder

DIE WELT IST KLANG
In der Luftschleuse, dem engen Windkanal beim Eingang des Höhlensystems scheint der Berg zu atmen. Werner Steffen hält seine Blockflöte in den Luftstrom, der sie augenblicklich zum Tönen bringt.

Der Berg bläst die Flöte und der Musiker spielt mit dem Wind. Eine Entdeckung, die zu vielen weiteren Experimenten führt. Orgelpfeife, improvisierte Glasharfe mit Flaschen, Metallschellen und anderes mehr werden schlussendlich ausgewählt um den Grundklang des Berges ertönen zu lassen.

Wie ein Naturlaut stimmt die Bassklarinette in die Harmonie des Klangkörpers ein. Mit getragenen, kräftigen Melodiebogen umspielt Werner Steffen den Grundakkord des Höhlenwindes und lässt sich von ihm zu immer neuen Klängen verführen.

Der Musiker wird Teil des Klangs, lässt sich treiben oder spielt mit japsenden Obertönen gegen den Strom.

Der dunkle Hohlraum ist zum Klangkörper geworden. Seine Ausdehnung ist nur erahnbar, mehr körperlich zu spüren – er klingt in mir.

Ulrich Studer
(Hölloch, Muotathal/SZ, 1999, Tagebuchnotizen)

Ausschnitt aus dem zweiten Stück der CD «Klangräume» von Werner Steffen:

Werner Steffen, Klangstudien vor und im Hölloch, Muotathal/SZ, 1999. Foto: Ulrich Studer.