«K3», 2006

K3

Eine künstlerische Reise in den Bundesratsbunker Harnischhut bei Bern

Die Reise ins Innere

Das Gebiet «Harnischhut» unterhalb der Ruine Geristein gelegen, ist ein geschichtsträchtiger Ort. Der hier unter Tag abgebaute Sandstein und die dadurch entstandene Kaverne sind eng mit der jüngeren Schweizergeschichte verbunden (siehe 3. Blatt). Die Felsenkaverne K3 liegt so in der Umgebung eingebettet, dass der Eingangsbereich trotz seiner enormen Grösse kaum sichtbar ist.

Die äussere Kaverne gleicht einem riesigen Vorhof, einem Tor zur Unter-welt. Dieses Bild aus der antiken Sagenwelt wird in der inneren Kaverne noch bestärkt. Hohe Gewölbe bilden einen Klangraum mit einem unerhörten Nachhall von 8 bis 10 Sekunden. Mit einer interaktiven Klanginstallation inszeniere ich eine Raumvorstellung, die via Ohr diesen Klangkörper akustisch erleben lässt.

Abbauspuren der Steinmetze, dazu die Kalkablagerungen des eingedrungenen Wassers, hinterliessen archaische Reliefbilder von eindrücklicher Kraft. Im dunklen Raum werden Details aus diesen Reliefs mit einem scharfen Lichtkegel herausgezeichnet.

In dieser mundus subterraneus ist das Beschützende des Berges aber auch das unheimliche Gefühl, fern von der Aussenwelt zu sein, körperlich erlebbar. Das Aushorchen und Ausloten fördert Bilder und Gedanken zu Tage, die aus der Welt des Steins zu kommen scheinen.

Wie oder ob der weiche Sandstein als Landschaftselement die Berner Eigenart beeinflusst oder geprägt hat, kann ich nicht beantworten. Nachhaltig aufgefallen sind mir die wunderschönen Sandsteinformationen mit den eindrücklichen, kühn gestalteten Felsenkavernen und ich denke, dass diese Eindrücke auch von den Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Landschaft bleibend wahrgenommen werden.

Ulrich Studer, Landschaftskünstler
Dezember 2006

Hinweise zum Landart-Projekt K3

Das Landart-Projekt K3 wird als Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 2008 der Gemeinden und des Gewerbevereins von Bolligen, Ittigen, und Oster-mundigen durchgeführt und soll auf besondere Art die Verbundenheit der Berner Bewohner und Bewohnerinnen zu ihrem Sandstein aufzeigen.

An zwei Wochenenden im August und September 2007 öffnet sich der Sandsteinberg einmalig für die Bevölkerung von Bern und Umgebung und zeigt sein beeindruckendes Innenleben. Eine künstlerische Reise führt das Publikum in die Sandsteinkavernen, die aufgrund ihrer militärischen Nutzung (s. Blatt 4: Geschichtliches) lange Zeit geheim gehalten wurden und die sich heute – für die Öffentlichkeit verschlossen – in Privatbesitz befinden.

Die imposanten räumlichen, akustischen und historischen Begebenheiten der Sandsteinkaverne K3 werden mit temporären künstlerischen Installationen ergründet. Neben den gezielt beleuchteten Details im Sandstein ist eine interaktive Toninstallation geplant, die den Besucher und die Besucherin den Raum der Kaverne auf eindrückliche Art wahrnehmen lässt. Projektionen (Zitate/Inschriften/Interview-Aussagen des Verteidigungsministers) in den stillgelegten, ehemals militärischen Versorgungsräumen nehmen Bezug auf die historische Bedeutung des ehemaligen Bundesratsbunkers.

Ich bin überzeugt, dass der künstlerisch veränderte Ort K3 im Sandstein den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt und Umgebung von Bern nachhaltige Bilder zeigen wird, durch die sie den eigenen Lebensraum neu entdecken.

Alexandra Melár, Projektverantwortliche
Dezember 2006

Geschichtliches zum Steinbruch Harnischhut

1872 – 1911
Abbau von 50.000 bis 60.000 m3 Sandstein u.a. zum Bau des Bundeshauses, der Kaserne und des Kasinos in Bern.

1940
General Guisan plant Kriegskommandoposten (vierstöckiges Hauptquartier für Armeekommando mit Unterkunft für General, Stabsmitglieder, Verwaltungsbeamte und Soldaten der Bewa-chungs- und Festungstruppen) in der Kaverne Harnischhut, die als bombensicher gilt.
Projekt wird aufgegeben aufgrund veränderter Kriegslage: Ar-meeleitung entscheidet sich für Alpen-Réduit. Anlage wird bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Munitionslager verwen-

1948
Der Bundesrat beabsichtigt, die Kaverne zu einem sicheren Bundesratsbunker umzubauen: Errichtung von sanitären Anla-gen, Strom- und Telefonleitungen sowie Holzbaracken. Das Bunkerprojekt scheitert nach Deckeneinbruch.

1960
Die Anlage wird durch das Eidgenössisches Militärdepartement geräumt. Versorgungsräume, Betonsockel, Treppenabgänge bleiben als Zeugen erhalten.

1988
Die Geheimhaltung der Anlage wird aufgehoben. Sie geht in Privatbesitz über.

Grundriss des Steinbruchs Harnischhut

Stimmen zum Berner Sandstein

«Der Berner Sandstein bleibt erdgeschichtlich geheimnisvoll. Bern verdankt dem Berner Sandstein ihre Monumentalität und der Sandstein der Region Bern seinen Namen.»
Dr. Martin Gerber, Geologe

«Das Geheimnis der Zeit kann hier erahnt werden. Sand, Stein, Sand, Stein: Prozesse werden offensichtlich. Was abgetragen wurde, berarbeitete, veränderte man und baute es wieder auf.»
Katharina Bütikofer, Malerin, Kunst- und Museumspädagogin

«Die Oberfläche dieses Steins bildet die die einheitliche Haut des Stadtkör-pers und veredelt auch architektonisch einfach gestaltete Fassaden.»
Prof. Dr. Bernhard Furrer, Denkmalpfleger der Stadt Bern

«Es ist ein imposantes Bild [der Ostermundiger Steinbrüche], das auch ein bisschen gespenstisch und archaisch anmutet.»
Walter Däpp, Journalist

«Aus diesen Brüchen ist in neunhundert Jahren die Altstadt von Bern mit ihren tausenden Sandsteinbauten entstanden.»
Prof. em. Toni P. Labhart, Publizist

«Sandstein kann man als toten Stein betrachten, oder man kann zu ihm gar eine Liebe entwickeln.»
Peter Probst, Architekt und ehemaliger Münsterturmwart

«Für mich hat der Sandstein bisher nicht primär eine Farbe, sondern war in erster Linie etwas Bernisches, etwas Herrschaftliches, das sich in vertrauter Formensprache und Farbigkeit in historischen Städten und auf dem Land findet.»
Marcella Wenger-Di Gabriele, Farbgestalterin

«Wir spüren den Stein an Stirn und Wange, hart und gleichzeitig absan-dend. Vor allem aber beginnen wir zu hören. Den Sandstein? Nein, ihn nicht, jedoch uns selbst, unsern Pulsschlag, unsern Atmen.» (Erfahrung mit dem Berner «Summstein»)
Fred Zaugg, Film- und Kunstkritiker

«Das schöne Sandsteinbern ist mit diesem Material gebaut worden, weil es keine Alternative gab.»
Christoph Schläppi, Architekturhistoriker

«Mit einem feldgrauen Schleier überzogen.»
Philippe Pirotte, Leiter Kunsthalle Bern

«Fragile Formen werden nicht beklettert.»
Florian Mittenhuber, Stadtkletterer

«Die Feinheit des Korns, das Volumen und die Grösse der Poren, davon abhängig ist die Witterungsbeständigkeit.»
Hermann Häberli, Architekt