Eine Lichtzeichnung für eine Nacht an den Lawinenverbauungen des Schiahorns oberhalb Davos vom 14./15.August 2004

Projektbeschrieb
Lichtinstallation in den Lawinenverbauungen des Schiahors oberhalb Davos
Mächtige Schutzbauten unterstreichen die Topografie des Bergmassivs der Schiahörner. Für das künstlerische Auge sind sie Hilfslinien in der Landschaftszeichnung und setzen durch ihre strategische Lage Akzente. Entlang der gebauten Geländelinien zeichne ich mit Licht ein poetisches und im kunsthistorischen Sinn ein romantisches Nachtbild in die hochalpine Bergwelt. In der Romantik symbolisiert die Nacht Sehnsüchte, weist aber auch auf die Gefahren und Abgründe des menschlichen Daseins hin.
Die naturgegeben auch gefährliche Schönheit des Berges soll für den Menschen mit einem feinen, aber auch dramatischen Bild in der Dimension der Landschaft erlebbar werden. Die Erhabenheit und das Existenzielle der Bergwelt beschreibt Thomas Mann mit seiner Romanfigur: «Hans Castorp, der ‹die Wurzeln des olympischen Zauberbergs› erblickt, jene Welt dionysischer Greuel, vor welcher die Griechen den apollinischen Traum von Licht und Mass, von Reinheit und Schönheit gestellt haben, um überhaupt leben zu können.»1
Pragmatisch traten die Davoser der Bedrohung des Berges durch die Lawinen entgegen: «Nach verheerenden Lawinenniedergängen vom 23. Oktober 1919 beschloss die Verwaltungskommission der Obrigkeit der Landschaft Davos eine Expertenkommission mit der Untersuchung der Verbaufrage zu beauftragen. Am 4. März 1920 beschloss die Obrigkeit und am 11. April die Landsgemeinde, die Lawinen im Schiatobel, am Schiawang und Dorfberg nach fachmännischer Anordnung so weit zu verbauen, dass die Gefahr behoben oder doch wenigstens bedeutend abgeschwächt werde.»2 Mit der Unterstützung des Bundes wurde in der schneefreien Jahreszeit der Jahre 1920 bis 1924 ein beeindruckendes Bollwerk gegen die zerstörerischen Schneelawinen gebaut (Beschäftigung von 178 Arbeitern, Gesamtkosten Fr. 938’749.–). Nach einem erneuten Lawinensturz im Jahre 1968 wurde das steinerne Mauerkorsett erneuert und mit Stahlverbindungen ergänzt und erweitert.
Die kühnen Steinbauten zeichnen die Topografie des verwitternden Kalkbergs heraus, betonen Form und Charakter des Bergmassivs. In meiner Lichtzeichnung wirken die Schutzmauem als «innere Konstruktionslinien», die in der Dunkelheit die schroffen und steilen Bergflanken erahnen lassen. Das Schwarz der Nacht schluckt alle Details und ganze Abhänge, Schluchten und Felswände werden flach und körperlos.
Mit meiner Lichtzeichnung gebe ich den Bergflanken des Schiahoms eine Aura, die gerade in der Nacht die Präsenz und Nähe des Berges steigert. Meine Arbeit ist eine Hymne an die Bergwelt, aber auch eine Hommage an die Erbauer der Schutzmauer, die der Gefährlichkeit des Berges ein Gesicht gegeben haben.
Ulrich Studer
Oktober 2003
- Aus: Thomas Sprecher, «Davos im Zauberberg», Verlag NZZ Zürich, 1996 ↩︎
- Aus: Die Lawinenverbauung Schiahom-Dorfberg in Davos, Eidg. Departement des Innern, 1925, Inspektion für Forstwesen, Jagd und Fischerei ↩︎



Fotos: Samuel Mühleisen, Solothurn
Vorgeschichte
- Juli 2002: Treffen mit Hanspeter Angerer, Verwaltungsratspräsident Davos Tourismus
- August bis Oktober 2002: Empfehlungsschreiben und Hinweise von:
Prof. Hans-Rudolf Pfeifer, Université de Lausanne;
Prof. Helmut Weissert, Geologisches Institut ETH Zürich;
Hans Laely-Meyer, a. Landammann Davos;
Dr. Walter Ammann, Institutsleiter SLF Davos;
Mariano Tschuor, Projektleiter Graubünden 2003, chaus e muntognas - Januar 2003: Projektpräsentation vor dem Kleinen Landrat und Beschluss vom 30.1.03: Bewilligung und Zusicherung Kostenübernahme Mitarbeiter Forstdienst Davos für Pro-beinstallationen zu ,Schiija»
- März 2003: Bildung Arbeitsgruppe ,Schiija‘ mit Landrätin Maria von Ballmoos, Leiter Forstdienst Davos Hanspeter Hefti, Ulrich Studer und Alexandra Melar
- Juli 2003: Feldbegehung am Schiahor mit Hanspeter Hefti
- September 2003: Probeinstallation am Schiahom Davos (s. , Vorarbeiten)
- November 2003: Beschluss des Kleinen Landrates vom 3.11.03: Bewilligung der Durchführung von «Schiija» im August 2004;
Vorarbeiten
Recherchen: Juli 2002 bis Juli 2003 begleitet durch Beratungen von Hanspeter Hefti, Leiter Forstdienst Davos
Ort: drei ausgewählten Mauerlinien am Schiahorn, Einstieg ab Lawinenschutzdamm unterhalb des grünen Turms
Zeitaufwand: 2. bis 4. September 2003, total 2 Tage, Markierung der Beleuchtungspositionen, Auf- und Abbau der Materialien
Arbeiten: durch 2 Mitarbeiter Forstdienst Davos, Mitarbeit von U Studer und A. Melar sowie kurzfristig unterstützt durch 2 Helfer, Auf- und Abbau total ca. 50 Arbeitsstunden
Material: 200 Beleuchtungskörper (Spezialkerzen mit Hohldocht), Alureflektoren und Befestigungsmaterial
Transporte: Diverse Fahrten mit Forstdienstfahrzeugen ab Davos Dorf bis Schiahorn Lawinenschutzdamm und zurück
Finanzierung: Forstdienst Davos gemäss Beschluss vom 30.1.03 (Kostengutsprache Mitarbeiter und Fahrzeuge); circolo IG für Land Art, Bern; Photo Hegner Solothum; Joël Sunier, La Neuveville; Studer&Melar, Rüttenen
Karten



