
Das Land hat seine Eigentümer vergessen und hat es satt nur Umgebung zu sein
Gerhard Meier
Texte zu Ulrich Studer:
«…Und so liest und beleuchtet Ulrich Studer Landschaft. Es sind Zwiegespräche, die der Künstler in seinem Atelier wie in den grossen Landschaftsprojekten mit der Landschaft hält. Es geht um die Wahrnehmung, das Erleben und Imaginieren von Landschaft, von Welt.»
Patricia Bieder
Aus dem Werkkatalog Ulrich Studer «Facetten der Landschaft» (2017)
Ohne die amerikanische Land-Art ist Ulrich Studers Licht-Arbeit nicht denkbar. Dennoch sind seine Projekte nicht eine Neuauflage von bereits Erfundenem. Im Gegensatz zu den Amerikanern, und typisch für die europäische Kunst ganz allgemein, geht es bei Studers Licht-Projekten nicht um ein im Atelier entwickeltes Konzept, das an einem günstigen Ort in der Landschaft realisiert wird, sondern es geht darum, einen spezifischen Ort – seine physikalischen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Qualitäten – durch sich selbst sichtbar zu machen.
Annelise Zwez, Kunstkritikerin, Twann
Auffallend an Studers künstlerischer Position ist sein weitgehender Verzicht auf materiall greifbare Kunstobjekte. Dies entspricht seinem Bedürfnis nach Lichtung unserer konsumorientierten Materialfülle und Besinnung auf innerste Empfindlichkeit. Solches Tun ist aktuellem Kunstschaffen der 90er Jahre, das oft den Hang zu überquellender Materialakkumulation aufweist, diametral entgegengesetzt. […]
Cornelia Dietschi, lic.phil. Kunsthistorikerin, Zürich
Die zeitlich begrenzte Werkwerdung vollzieht sich teilweise an abgelegenen Orten, teilweise unter Ausschluss des Publikums. Aber nicht nur. Die Lichtinstallation Licht-Zeichen in den Auskolkungen des Jurakalksteins in der Osternacht, die Licht-Performance Juraline oder Viniterra, die Lichtarbeit an den Rebmauern des linken Bielerseeufers, leben von der aktiven Beteiligung von vielen Personen.
Die Kunstbarmachung von Natur wird zu einem zeitlich begrenzten Gemeinschaftserlebnis mit einer spirituellen Raumdimension. […]
Eine Hymne an die Natur
Artikel im DER BUND (bsb), 31. August 2005
Der Solothurner Landschaftskünstler Ulrich Studer zeigt neuste Arbeiten im Kunsthaus Grenchen
[…] Auf diesen Arbeiten auf Faservlies oder Baumwollstoff schimmern die Landschaft, das Hochgebirge und die Bergbäche als Geheimnis durch. […] Die Bildwerke pendeln zwischen Abbild und Ahnung von dem, was dazwischen liegt. So gesehen sind alle seine Arbeiten auch ein Beitrag zum Naturschutz, denn was gibt es Schöneres als auf so poetische Weise und unaufdringlich an die Schönheit und die seelische Tiefenwirkung der Natur erinnert zu werden. Zeit- und Raumerfahrung werden relativiert und werden eins.
Berichte vom Berg und vom Stein
Eva Buhrfeind, Bieler Tagblatt, 30. August 2005
Ulrich Studer will Landschaft sicht- und greifbar machen. Das Kunsthaus Grenchen zeigt bildnerische Arbeiten aus sieben Jahren und verweist auf die Lichtinstallationen.
[…] Der Künstler sagt: «Ich bin Teil der Landschaft – sie ist ein Teil von mir» und so versteht er auch seine Arbeit im Feld, als «Kommunikation mit dem Wesen der Natur, das sich in der Signatur darstellt.» […]
Eine innere Landschaft
Artikel: Thomas Schärli, Solothurner Tagblatt, 26. August 2005
Das Kunsthaus Grenchen zeigt zur Zeit das bildnerische Schaffen des vorab visuell tätigen Künstlers Ulrich Studer
[…] Studers Arbeitsweise ist ganz massgeblich vom direkten Kontakt mit dem Motiv bestimmt, mit der Landschaft, dem Stein, dem Felsen. […]
«Die Landschaft kommt quasi nach innen», resümiert Ulrich Studer selbst. […]
Was in der Landschaft direkt erlebt werden kann, kann nun für einmal im Innenraum nachvollzogen werden.
Solarbetriebenes Leuchten am Wasserfall
Artikel: Fränzi Rütti-Saner, Solothurner Zeitung, 6. August 2005
10 Jahre Galerie Rössli: Ueli Studer lässt den Wasserfall am Hammerrain in neuem Licht erscheinen.
Zum zehnten Jahr nach dem Relaunch der Galerie Rössli Balsthal setzten sich zehn Künstler mit dem Bezitk Thal und seinen Dörfern auseinander. Ueli Studer stellt den Wasserfall zwischen Herbetswil und Welschenrohr in ein neues Licht.
Es ist Ueli Studers Passion, den Untergrund, auf dem wir leben, zu erforschen und ihn mit seinen eigenen künstlerischen Mitteln neu erlebbar und begreifbar zu machen. Auch dieser Künstler wurde – zusammen mit neun weiteren Solothurner Kunstschaffenden – zum zehnten Geburtstag der Galerie Rössli in Balsthal eingeladen. […]
Aus dem Werkbuch von Ulrich Studer

Die Beschäftigung mit der Natur war für das Gros der Künstler/-innen seit Jahrhunderten zentral. Vor allem die abbildliche Landschaftsdarstellung interessierte. Dieses vordergründige Abbild zu durchdringen, deutlich zu machen, was Natur für uns Menschen bedeutet, sollte eine Aufgabe der Künstler/-innen im 19. und im 20. Jahrhundert werden. Die romantische Umdeutung, die erscheinungsbezogene Sicht, aber auch die metaphysische, philosophische, existenzialistische wurden in Kunstwerken aufgezeigt.
Heute geht uns die Natur scheinbar weniger an, leben die meisten Menschen heute doch vorwiegend in Städten, aus welchen die Natur verbannt ist. Natur bloss noch als Erholungsfaktor, in Freizeitangelegenheiten?
Ueli Studers künstlerische Resultate / Arbeiten thematisieren nicht den Verlust der Mensch-Naturbeziehung, sondern stellen Werden und Sein der Natur ins Zentrum. Dabei untersucht und studiert er jene Themen, die den Menschen erstaunen und seelisch ergreifen und Vorgänge in der Natur, die ausserordentlich sind. Funktion, Material, Ausdehnung und Erscheinung eines meist auch mystisch verklärten Ortes (Findlingsstelle, Gletscherspuren, Doline, V-Tal, Felsabbruch, Wassererosionsform) werden von Studer untersucht, Formen und oft Strukturen werden gestalterisch kodiert und – seit 1994 häufig – mit Hilfe von Licht bezüglich Erscheinung und bedeutungsmässig gewichtet. Durch die passende, die spannende, die sich aufdrängende gestalterische Pointierung soll die Natur, ihr Wesen, ihre Mystik, ihre Grossartigkeit erlebbar werden lassen. Wenn Studer einen von Menschen vorgenommenen Eingriff in die Natur künstlerisch bearbeitet, wenn er die verwendeten und annektierten Materialien aufspürt und sich dabei auf die Suche nach den Ursprüngen der ehemals intakten Natur macht – oder sich in der Gestaltung auf die Natur konzentriert, die sich im Menschenwerk wieder durchzusetzen beginnt -, dann ist das Wesen des durch Kreativität und Können geprägten Werdens von Kunst allgegenwärtig. Tatsächlich, vertrauter wird sie durch Studers Werke, die Natur, die intakte Natur, in der wir lebten, die uns heute beherbergen möge, die uns Heimat und Basis unseres Seins sein könnte.Pia Zeugin, lic. phil. Kunsthistorikerin, Basel
Aus dem Katalog zur Ausstellung «mostra scambio Soletta-Ticino», Galleria SPSAS Palazzo Morettini Locarno, Oktober 1996
